Naturvermittlung bei Urlaub am Bauernhof
„Wir haben die Gäste und die Naturflächen. Ihr habt den Inhalt und die Ideen!“
Gäste bei Urlaub am Bauernhof suchen authentische Erlebnisse in der Natur. Auf mehr als 2.300 Bauernhöfen, Winzerhöfen und Almhütten in Österreich können Naturvermittler:innen aus dem Vollen schöpfen: einzigartige Ökosysteme, von Landwirt:innen über Jahrhunderte gepflegt, sowie eine naturinteressierte Zielgruppe – Familien mit Kindern, aber auch immer mehr Paare.
So findet Naturvermittlung bei Urlaub am Bauernhof in der Praxis bereits statt:
- Terminfindung vor der Hauptsaison
- Bewerbung und Buchungen durch Vermieter:in
- Zielgruppengerechte Programmgestaltung durch Naturvermittler:in
- Durchführung des Naturvermittlungsangebots auf dem Urlaub-am-Bauernhof-Betrieb
- Bezahlung des Naturvermittlungsangebots bei dem/der Naturvermittler:in
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Touren müssen leistbar und für Gäste unkompliziert buchbar sein.
- Den organisatorischen Service im Vorhinein übernehmen in diesem Fall die Vermieter:innen der Bauernhöfe kostenlos.
- Sie sehen den großen Vorteil in der Schaffung eines USP, der Gäste zu weiteren Aufenthalten und zur Weiterempfehlung anregt,- also Naturvermittlungsprogramme als Buchungsfaktor!
Interview mit Maria Seyerlehner, Seyerlehnerhof
Auf drei Bauernhöfen am Rande des Nationalparks Kalkalpen in Oberösterreich begeistert eine solche Kooperation mit einer Naturvermittlerin seit mehreren Jahren die Gäste. Maria Seyerlehner vom Seyerlehnerhof erzählt im Interview, wie die Idee entstanden ist, worauf es bei so einer Kooperation ankommt und was Gastgeber:innen sowie Gäste daran schätzen.
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Maria, euer Bauernhof ist nahe des Nationalpark-Zentrums, wo es schon viele Naturerlebnis- und Naturvermittlungsangebote gibt. Warum hast du die Notwendigkeit gesehen, selbst etwas für eure Gäste zu organisieren?
Die Angebote im Nationalpark sind super, aber die meisten Touren sind schon ausgebucht, wenn unsere Gäste bei uns sind und ihre Urlaubstage planen. Das ist natürlich schade. Es gibt zwar die Möglichkeit, individuelle Ranger:innen-Touren zu buchen, aber das ist für eine Familie allein sehr teuer. Vielleicht wären zwar mehr Personen interessiert, aber die Gäste kennen sich untereinander ja nicht. Außerdem dauern diese Touren den ganzen Tag.
Ich war aber überzeugt, dass so ein Naturvermittlungs-Angebot etwas für unsere Gäste ist. Sie kommen zu uns auf den Bauernhof und wollen raus in die Natur, wollen etwas erleben, etwas lernen. Nur habe ich nicht die Zeit dafür, ihnen so ein maßgeschneidertes Programm zu bieten.
Wie hast du eine Naturvermittlerin gefunden, die das Programm für eure Gäste organisiert? Hast du aktiv nach jemandem gesucht?
Nein, das hat sich so ergeben. Im Ennstaler Ferienprogramm gab es im Sommer Naturvermittlungsangebote speziell für Familien mit Kindern. Zusammen mit zwei anderen Urlaub am Bauernhof-Betrieben haben wir diese Touren dann für unsere Gäste gebucht. Dadurch entstand der Kontakt zu Simone, der Naturvermittlerin. Die Rückmeldungen der Gäste waren sehr positiv. Daraufhin haben wir beschlossen, direkt mit Simone gemeinsam exklusive Touren zu organisieren, die speziell auf unsere Gäste ausgerichtet sind.
Ihr seid ja Vermieterinnen von drei Bauernhöfen, die sich zusammengetan haben. Wie teilt ihr euch die Organisation auf?
Nachdem wir alle im selben Ort leben, setzen wir uns kurz vor der Hauptsaison zusammen und überlegen, an welchen Tagen ein Angebot gut passen würde. Das hängt davon ab, wie viele Gäste, interessierte Familien, Kinder in etwa dem gleichen Alter auf den Höfen nächtigen. Wir stimmen diese Termine dann mit Simone ab. Im Anschluss schicken wir die Bewerbungsunterlagen mit den Naturvermittlungsangeboten an unsere Gäste aus. Wir warten auf die Rückmeldungen und sobald genügend Zusagen da sind, wird der Termin mit Simone fixiert. Uns ist wichtig, dass die Angebote kostendeckend sind. Dafür brauchen wir mindestens 6 Gäste in der Gruppe. Spontane Zusagen sind danach immer noch möglich.
Können auch externe Personen, die nicht auf einem der Bauernhöfe nächtigen, am Angebot teilnehmen?
Nein, die Gruppen setzen sich wirklich nur aus Gästen der drei Urlaub am Bauernhof-Betriebe zusammen. Wir wollen die Gruppen kompakt halten, damit die Gäste viel mitnehmen können. Daher beschränken wir die Gruppengröße auf 18 Personen (inkl. Kinder). Das hat sich sehr gut bewährt.
Und welche Punkte sind in der Verantwortung der Naturvermittlerin?
Die Naturvermittlerin ist für den gesamten Programmablauf verantwortlich: von der Abholung beim Treffpunkt über die inhaltliche Gestaltung bis zum Finanziellen. Man kann sich das so vorstellen: Wir Vermieterinnen haben die Gruppe und die Naturflächen. Die Naturvermittlerin hat den Inhalt, die Ideen und die rechtlichen Voraussetzungen. Was das Finanzielle betrifft, so läuft alles bei Simone zusammen. Wir Vermieterinnen bekommen für diese Dienstleistung (das Organisieren, etc.) nicht direkt eine finanzielle Vergütung. Aber indirekt, denn wir können unseren Gästen ein einzigartiges Erlebnis bieten, das sie sonst nirgends finden und erhalten dadurch einen USP.
Wie läuft so ein Angebot für Gäste ab?
Wie gesagt, die meisten Gäste wurden bereits vor ihrer Ankunft über das Angebot informiert. Ihnen brauchen wir vor Ort nur mehr Zeit und Treffpunkt sowie etwaige Anforderungen an Kleidung etc. mitteilen. Das hängen wir auf unserer Infotafel aus. Sollten noch Plätze frei sein, fragen wir noch weitere Gäste, die gerade bei uns sind.
Dann finden sich alle Gäste selbstständig beim Treffpunkt ein, werden von Simone begrüßt und wandern zusammen zu den Wiesen oder Wäldern, wo das Programm stattfindet. Das sind private land- oder forstwirtschaftliche Flächen, die zu unserem oder einem der anderen Bauernhöfe gehören. Das ist der große Vorteil für die Naturvermittlerin: Sie muss keinen spezifischen Ort für die Tour suchen, nicht extra das Einverständnis der Grundbesitzer:innen einholen. Das Angebot dauert meistens einen Nachmittag (ca. 2,5 Std.), was ein ideales Tagesprogramm für Familien mit Kindern darstellt.
Welche Themen sind bei euren Gästen beliebt?
Uns ist es ein großes Anliegen, dass unsere Gäste den Wert der Natur entdecken und schätzen lernen. Es sind oft Kleinigkeiten, die man bei einem Spaziergang übersehen würde, aber die so interessant und so kostbar sind. Besonders Kinder sind offen für Entdeckungsreisen in der Natur. Eine Tour heißt „Kostbare Natur. Wilde Pflanzenschätze in unserer Umgebung entdecken.“. In den letzten Weihnachtsferien drehte sich alles um Tannenbäume und Tannennadeln. Manchmal stellt die Gruppe gemeinsam etwas her, was die Gäste dann mit nach Hause nehmen können, zum Beispiel eine Gewürzmischung mit Tannennadeln, Wildkräutersalz oder Seifen.
Was sind die größten Hürden, auf die ihr gestoßen seid?
Das Wichtigste ist, dass die Angebote für Familien leistbar sind und unkompliziert zu buchen sind. Das konnten wir beides erreichen. Auch dank der Unterstützung der Gemeinde und des Landes. Kostendeckend zu sein, ist natürlich das Ziel. Nachdem wir Gastgeberinnen vieles in der Planung unentgeltlich machen, unsere Flächen zur Verfügung stellen und in der Gemeinde gut vernetzt sind, geht das. Wenn Simone mit der Gruppe etwas gemeinsam herstellen möchte, braucht sie einen Raum, der groß genug ist und über eine gewisse Ausstattung verfügt (z.B. Küche). Wir haben das Glück, dass wir Räume von Vereinen oft kostenlos nutzen dürfen. Diese Kooperationsbereitschaft in der Gemeinde macht vieles leichter.
Wo siehst du den größten Vorteil dieser Kooperation zwischen Simone und euren drei Bauernhöfen?
Es ist einfach eine wunderbare Sache für alle Beteiligten! Wir Gastgeberinnen und Gastgeber freuen uns, dass wir unseren Gästen ein ganz besonderes Programm anbieten können ohne dass wir selbst einen zusätzlichen Zeitaufwand haben. Es passt einfach so gut zu Urlaub am Bauernhof, die Gäste auf unseren Wiesen, in unseren Wäldern auf Entdeckungsreisen zu schicken. Den Gästen taugt das irrsinnig. Manche Familien haben dieselbe Tour auch schon mehrmals gemacht. Simone freut sich, dass sie zusätzliche Touren anbieten kann und wir die passende Zielgruppe für sie haben. Naturvermittlung ist ihre Leidenschaft und macht ihr große Freude. Das kann sie an die Gäste weitergeben. Zu guter Letzt hat auch unsere Natur und Umwelt etwas davon, wenn mehr Menschen achtsamer damit umgehen.
Hast du Tipps für Naturvermittlerinnen und Naturvermittler, die gerne Angebote für Urlaub-am- Bauernhof-Gäste anbieten möchten?
Schaut euch aktiv in eurer Gegend um: Wo gibt es Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe? Kontaktiert die Gastgeberinnen oder Gastgeber einfach mal unverbindlich und stellt euer Angebot vor. Ich finde es nett, wenn man das persönlich am Hof macht und vorher telefonisch ankündigt. Dann könnt ihr mehr Informationen einholen: Welche Gäste nächtigen bei euch? Sind es eher Familien mit Kindern, Paare oder größere Gruppen? Wärt ihr interessiert, gemeinsam ein Naturvermittlungsangebot für eure Gäste zu organisieren? Praktisch ist es, wenn sich Betriebe aus demselben Ort oder benachbarte Höfe zusammentun. Das kann ja mal ein Testlauf werden und dann schaut man, wie es von den Gästen angenommen wird.
Ich persönlich sehe sehr großes Potential in solchen Kooperationen. Das Programm, das die meisten von uns Vermieterinnen und Vermietern bieten können – und das mit Leidenschaft und Freude – ist: bäuerlicher Alltag. Das finden unsere Gäste extrem spannend und interessant. Gäste bei Urlaub am Bauernhof sind aber darüber hinaus auch sehr interessiert an der Natur, an der Landschaft generell am Draußen sein. Das bestätigen viele Umfragen. Aber gerade in der Hauptsaison ist unsere Zeit sehr kostbar. Wir Gastgeberinnen und Gastgeber können nicht alles selbst abdecken. Daher finde ich es so eine großartige Sache, wenn Naturvermittler:innen hier einhaken und so insgesamt ein toller Mehrwert für sie, aber auch für die Betriebe und Gäste entsteht.
Das Interview wurde aufgezeichnet und transkribiert von Christiane Wolfbauer, MA BA BSc (Urlaub am Bauernhof)
Diese drei Bauernhöfe haben sich zusammengetan, um Naturvermittlungsangebote speziell für ihre Gäste zu organisieren:
Seyerlehnerhof in Maria Neustift, Nationalparkregion Kalkalpen
Ferienhof Rabenreith in Großraming, Nationalparkregion Kalkalpen
Ferienhof Pfaffenlehen in Maria Neustift, Nationalparkregion Kalkalpen
Die kooperierende Naturvermittlerin ist DI Simone Riegler-Tauer: https://www.wohlundgut.at/
Das Echte, das Ehrliche und du.
Fotos: Urlaub am Bauernhof





