Naturführung im alpinen Raum

In der Folge finden Sie die wichtigsten Informationen zu Naturführungen im alpinen Raum:

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Vorsicht auf Berführervorbehalt

Nach derzeitiger Rechtslage sind bei Naturführungen im alpinen Gelände die jeweiligen Vorbehaltsbereiche für Berg- und BergwanderführerInnen in den einzelnen Landesgesetzen zu beachten. Diese werden meist als „Berg- und Schiführergesetz“ bezeichnet; in Oberösterreich und Niederösterreich sind die Bestimmungen im jeweiligen Sportgesetz integriert.

Den großzügigsten Ausnahmenkatalog vom Bergführer-/Bergwanderführervorbehalt enthält das Vorarlberger Gesetz über das Bergführerwesen, darunter für das „Führen, Begleiten und Unterreichten durch ausgebildete Kräuterpädagogen, Waldpädagogen oder Alpführer, soweit diese Tätigkeit ihrer Ausbildung entspricht“ sowie für das „Führen, Begleiten und Unterrichten auf leicht begehbaren Spazier- und Wanderwegen“.

Ansonsten wird für Personenführungen im alpinen Raum, auch zu Zwecken der Naturvermittlung, grundsätzlich die Bergführer-/Bergwanderführerprüfung als Voraussetzung verlangt.

Im Einzelfall ist die jeweilige landesrechtliche Regelung zu konsultieren, da die Vorbehaltsbereiche und Ausnahmekatalog je nach Bundesland unterschiedlich geregelt sind. Eine kurze Übersicht über die wesentlichsten Bestimmungen in den sieben alpinen Bundesländern wurde im Zuge des Projekts "Plattform Naturvermittlung" erstellt.

Rechtliche Unterscheidungen

Aus dem Bergführer-/BergwanderführerInnvorbehalt aller Landesgesetze ist Folgendes zu schließen: Der Vorbehaltsbereich der Bergführergesetze erstreckt sich nicht auf eine Tätigkeit allein, sondern nur auf eine solche in Verbindung mit dem Ort der Tätigkeit! Es macht daher einen Unterschied, ob die konkrete Tätigkeit des Führens und Begleitens im alpinen oder im außeralpinen Bereich ausgeübt wird.

Dort, wo landesrechtliche Regelungen das Führen von Personen dem Bergführer-/BergwanderführerInnenvorbehalt unterstellen, wo gar keine alpinen Herausforderungen gegeben sind, steht im Raum, ob hier nicht überschießende Regelungen vorliegen.

Es ist zu diskutieren, ob nicht der Dauersiedlungsbereich, der gesicherte Siedlungsraum, der Wanderwegebereich („blaue“ Markierung / leichte Wanderwege ohne Bedarf von spezieller Ausrüstung, ohne Vorhandensein von Geländeseilen, quasi „Spaziergangniveau“) bzw. auch das leichte weglose Gelände ohne Absturzgefahr im Sinne des verfassungsrechtlichen Berücksichtigungsprinzips, etwa zur Ausübbarkeit des bundesgesetzlich geregelten Fremdenführergewerbes, zum Führen von Personen für andere Führungsberufe frei sein müsste.

Mögliche Abgrenzungen

Den Kern der BergführerInnenbefugnisse bilden einerseits das Führen/Begleiten durch anspruchsvolles/gefährliches alpines Gelände (nicht ausdrücklich gesetzlich definiert: z.B. Kletterwände mit oft mehreren hundert Metern Höhe, Gletscher) und andererseits das Unterweisen in alpinsportlichen (Klettern, Schifahren abseits der Pisten) und sonstigen alpinistischen Fertigkeiten (Standplatzbau beim Seilsichern, Umgang mit Lawinenverschüttetensuchgerät) und alpinistischen Kenntnissen (Geländeorientierung, Erkennung alpiner Gefahren).

BergwanderführerInnen werden in der Regel vom jeweiligen Landes-BergführerInnenverband ausgebildet und dürfen weniger gefährliche Bergwanderungen durchführen (zB „rote“ Wege, Querung nur von kleinen Restschneefeldern im Frühjahr). Insbesondere dürfen sie jedoch über keine Klettersteige oder Gletscher führen.

Die Abgrenzung zu den NaturführerInnentätigkeiten lässt sich wie folgt ziehen:

Über den Inhalt der Führungstätigkeit:

  • Im Fokus der NaturführerInnentätigkeit steht die Vermittlung der Natur und ihrer Phänomene. Die sportliche Herausforderung steht hingegen ganz klar im Hintergrund, auch wenn die Tätigkeiten im Rahmen einer Naturführung regelmäßig mit einer Wanderung verbunden sind.

Über die Zielgruppe:

  • Zielgruppe der NaturführerInnen sind primär naturkundlich Interessierte. Es geht nicht primär um das Zurücklegen von Höhenmetern oder die Bewältigung sportlicher Herausforderungen, sondern um ein intensives Naturerlebnis und die Bereicherung durch Natureindrücke. Oft nehmen auch Familien mit Kindern an den Naturführungen teil.

Über die Qualifikation des Guides:

  • NaturführerInnen sind primär naturwissenschaftlich bzw. -kundlich Interessierte, für die der Bergsport beruflich eindeutig nachrangig ist.
  • Die Ausbildung zum/zur Naturführer/in beinhaltet vorwiegend naturkundliche Inhalte und Methode und wenn, nur in untergeordnetem Ausmaß auch alpinistische Grundfertigkeiten und -kenntnisse
  • Soll durch anspruchsvolles bzw hochanspruchsvolles alpines Gelände geführt werden, ist die BergwanderführerInnen- bzw BergführerInnenprüfung nachzuweisen. Dies trifft insbesondere zu auf: „schwarze“ Wanderwege, Klettersteige, Gletscher, Gebiete mit Lawinengefahr.
  • Für den Dauersiedlungsbereich, den gesicherten Seidlungsraum, den leichten alpinen Wanderwegebereich („blaue“ Markierung) bzw das leichte alpine weglose Geländes ohne Absturzgefahr ist zu diskutieren, diese ohne entsprechende BergwanderführerInnenprüfung für NaturführerInnen freizugeben.

Abgrenzungsschwierigkeiten können sich unter Umständen im Wanderwegenetz mit „roter“ Markierung ergeben. Nähere Details zur Unterscheidung dieser Führungsberufe finden Sie in einem im Zuge des Projekts "Plattform Naturvermittlung" angefertigten Argumentenkatalog.