Gewerberecht für NaturvermittlerInnen

In der Folge finden Sie die wichtigsten Informationen zum Gewerberecht für NaturvermittlerInnen:

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Gewerberechtliche Tatbestände für NaturvermittlerInnen

Die reine Vermittlung von Wissen und Kenntnissen zu den Besonderheiten von Landschaft, Flora und Fauna ist eine gem Art 17 Abs 3 StGG 1867 verfassungsunmittelbare freie Tätigkeit, die keinen gewerberechtlichen Beschränkungen unterworfen werden darf.

Gewerberechtlich relevant ist nur das Führen von Personen, und zwar unter der Voraussetzung, dass dieses „gewerbsmäßig“ erfolgt. Gewerbsmäßig wird eine Tätigkeit ausgeübt, wenn sie

  • selbstständig,
  • regelmäßig und in
  • Ertragsabsicht

betrieben wird.

Was bedeutet dies konkret?

  • Selbstständigkeit im Sinne der GewO liegt vor, wenn die Tätigkeit auf eigene Rechnung und Gefahr ausgeübt wird, d.h., wenn man selbst das unternehmerische Risiko trägt.
  • Als „regelmäßig“ gilt auch bereits eine einmalige Handlung, wenn nach den Umständen des Falles auf die Absicht der Wiederholung geschlossen werden kann oder wenn sie längere Zeit erfordert. Das Anbieten einer den Gegenstand eines Gewerbes bildenden Tätigkeit an einen größeren Kreis von Personen oder bei Ausschreibungen wird der Ausübung des Gewerbes gleichgehalten.
  • In Bezug auf die „Ertragsabsicht“ ist es nach der GewO gleichgültig, für welche Zwecke der Ertrag bestimmt ist; eine Gewerbeberechtigung ist daher auch dann erforderlich, wenn der gesamte Gewinn für gemeinnützige Zwecke gespendet wird.

Mögliche Gewerbe für NaturvermittlerInnen

Relevanter Gewerbetatbestand ist grundsätzlich das reglementierte Gewerbe der Fremdenführung nach § 108 GewO.

Prinzipiell in Frage käme - nach derzeit gehandhabter Praxis - auch die Anmeldung eines freien Gewerbes in Betracht, und zwar:

  • Reisebetreuung
  • Führungen in Gebäuden oder im Gelände von den dort Verfügungsberechtigten oder deren nachweislich Beauftragten.

Hinweis: Es gibt eine bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe

 

Allgemeine Voraussetzungen für Gewerbeantritt

Die GewO unterscheidet sogenannte allgemeine Voraussetzungen, die vor dem Antritt eines jeden Gewerbes zu erfüllen sind, und besondere Voraussetzungen, die nur für bestimmte Gewerbe gelten.

Diese allgemeinen Voraussetzungen für einen Gewerbeantritt muss jede Person erfüllen:

  • Gewerberechtliche Handlungsfähigkeit
  • Natürliche Personen müssen eigenberechtigt sein (Volljährigkeit, keine Sachwalterschaft), juristische Personen und eingetragene Personengesellschaften müssen einen gewerberechtlichen Geschäftsführer bestellen.
  • Unbescholtenheit: Es darf keine gerichtliche Verurteilung wegen bestimmter Straftaten vorliegen (vgl § 13 GewO).
  • Eine Insolvenz schließt nur dann von der Gewerbeausübung aus, wenn das Vermögen nicht die Kosten eines Insolvenzverfahrens deckt.
  • Österreichische Staatsbürgerschaft bzw. Gleichstellung (insbesondere EU-BürgerIn)

Besondere Voraussetzungen für Gewerbeantritt

An besonderen Voraussetzungen für den Gewerbeantritt ist in diesem Kontext insbesondere relevant, dass für reglementierte Gewerbe, wie das Fremdenführergewerbe eines ist (unter dessen Vorbehaltsbereich die Kerntätigkeit der Naturführung fällt), ein Befähigungsnachweis zu erbringen ist. Das bedeutet, dass man durch geeignete Belege (insbesondere Zeugnisse über den Besuch von Schulen und Lehrgängen, Meisterprüfung etc) nachweisen muss, dass man die für die Ausübung des reglementierten Gewerbes erforderlichen notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt.

Der Regelfall ist allerdings das freie Gewerbe (z.B. Reisebetreuung; Führungen im Gelände). Dieses darf bei Erfüllung der allgemeinen Voraussetzungen (gewerberechtliche Handlungsfähigkeit, Unbescholtenheit, österreichische Staatsbürgerschaft oder Gleichstelltung) ausgeübt werden, ohne dass weitere fachliche Voraussetzungen nachzuweisen wären.

Gewerbeanmeldung

Die Anmeldung kann - formlos oder mittels Formular - persönlich, schriftlich oder auch elektronisch erfolgen.

Die Anmeldung hat die die genaue Bezeichnung des Gewerbes und des für die Ausübung in Aussicht genommenen Standortes zu enthalten. Außerdem sind der Anmeldung folgende Belege anzuschließen:

  • Urkunden, die dem Nachweis über Vor- und Familiennamen der Person, ihre Wohnung, ihr Alter und ihre Staatsangehörigkeit dienen,
  • falls ein Befähigungsnachweis für das betreffende Gewerbe vorgeschrieben ist, die entsprechenden Belege bzw die Anzeige über die Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers,
  • ein nicht mehr als sechs Monate alter Auszug aus dem Firmenbuch, falls eine juristische Person oder eine eingetragenen Personengesellschaft die Anmeldung erstattet (und der Anmelder den Firmenbuchauszug nicht bei der Behörde einholt).

Link zur detaillierten Übersicht zur Gewerbeanmeldung

Die Gewerbeanmeldung ist grundsätzlich sofort rechtswirksam, wenn alle Voraussetzungen erfüllt und dem Antrag alle notwendigen Unterlagen beigefügt werden. Das Gewerbe kann ab dem Tag der Anmeldung ausgeübt werden. Die AnmelderInnen werden bei Vorliegen der Voraussetzungen innerhalb von drei Monaten ab rechtswirksamer Anmeldung in das Gewerberegister eingetragen.

Auswahl der Rechtsform

An Rechtsformen ist es möglich, als EinzelunternehmerIn zu agieren, oder sich mit mindestens einer weiteren Person zum Betrieb eines Unternehmens zusammenzuschließen und damit eine Gesellschaft zu gründen. In letzterem Fall kann man die Gesellschaft als Personengesellschaft gründen (Offene Gesellschaft [OG], Kommanditgesellschaft [KG], Gesellschaft bürgerlichen Rechts [GesBR], stille Gesellschaft [StGes] oder Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft [Gen]) oder als Kapitalgesellschaft (Gesellschaft mit beschränkter Haftung [GmbH], Aktiengesellschaft [AG]). Daneben gibt es auch Mischformen (z.B.: GmbH & Co KG).

Ein „Patentrezept“ für die Wahl der Rechtsform gibt es nicht. Kriterien, nach denen sich die Wahl der Rechtsform richten wird, werden u.a. sein: Umfang des Unternehmens; ein oder mehrere UnternehmerInnen und dessen bzw. deren gewerberechtliche Voraussetzungen; Finanzierung durch Beteiligung; Ausmaß der Haftung; Gründungskosten; laufender Rechtsformaufwand; steuerliche Aspekte etc.

Weiterführende Informationen findet man auf der Website des BMDW und auf der Website der WKO.

Individueller Befähigungsnachweis

Wenn man keine Gewerbeberechtigung als FremdenführerIn hat und dennoch rechtlich abgesichert gewerbsmäßig Personen führen möchte, um ihnen die Besonderheiten von Landschaft, Flora und Fauna zu zeigen und zu erklären, ist anzuraten, bei der Gewerbebehörde gem § 19 GewO einen Antrag auf Ausstellung eines individuellen Befähigungsnachweises zu stellen.

Die Behörde hat diesfalls das Vorliegen der individuellen Befähigung festzustellen, wenn durch die beigebrachten Beweismittel die für die jeweilige Gewerbeausübung erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nachgewiesen werden. Die Behörde hat das Vorliegen der individuellen Befähigung mit der Beschränkung auf Teiltätigkeiten des betreffenden Gewerbes auszusprechen, wenn die Befähigung nur in diesem Umfang vorliegt, also diesfalls etwa nur auf das Zeigen und Erklären der Besonderheiten von Landschaft, Flora und Fauna.

Allerdings stellt sich in diesem Zusammenhang die Herausforderung, dass es keinen rechtlich anerkannten einheitlichen Ausbildungsstandard gibt. Insgesamt wurden für Österreich 89 Angebote gefunden, um sich im Bereich Naturvermittlung/Naturführung aus- bzw. weiterbilden zu lassen. Um ein Beispiel für die Diversität des Ausbildungsumfangs zu geben, sei hier das Beispiel der Ausbildung zum/zur Kräuterpädagogen/in herangezogen, welches zwischen 50 bis 833 Übungseinheiten á 50 min differiert.

Voraussetzungen für individuellen Befähigungsnachweis

Grundsätzlich würde sich die Vorschreibung zur Absolvierung folgender Ausbildungsinhalte anbieten, um eine fachlich qualifizierte Naturvermittlung/-führung leisten zu können:

Naturschutzfachliche Grundlagen (Biologie/Natur/Land- und Forstwirtschaft)

  • Naturräume, Wechselwirkung Mensch – Natur
  • ökologische Zusammenhänge der wichtigsten Lebensräume
  • Entwicklung der Kulturlandschaft
  • Spezialthemen je nach Ausbildungsziel

Wanderkunde

  • Kartenkunde & Orientierung im Gelände
  • Tourenplanung
  • Wetterkunde
  • Gegebenenfalls spezielle Alpin- und Winterkurse

Didaktik, Kommunikation, Methodik & Pädagogik

  • Gruppenleitung, Führungsdramaturgie
  • Naturpädagogische Vermittlungsmethoden
  • Exkursionsdidaktik & Erlebnisdramaturgie
  • Kommunikation & Konfliktmanagement

Praxis und Führung

  • Entwicklung und Durchführung eines Naturvermittlungsangebotes und deren Nachbereitung
  • Erste Hilfe
  • Rechtliche & betriebswirtschaftliche Grundlagen (inkl Marketing).

Rechtliche Verbindlichkeit darüber, welche Belege zu erbringen sind, damit die erforderliche fachliche Befähigung jedenfalls als erfüllt anzusehen ist, kann etwa über eine Verordnung der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort nach § 18 Abs 1 GewO hergestellt werden.

Allenfalls kann auch eine Verbands- bzw Branchenvereinbarung in Betracht gezogen werden.

Gewerberechtliche/r Geschäftsführer/in

Wenn man den für das Gewerbe erforderlichen Befähigungsnachweis nicht erbringen kann, besteht die Möglichkeit, eine/n gewerberechtliche/n Geschäftsführer/in zu bestellen (vgl § 39 GewO). Diese/r ist dann Ihnen als Gewerbeinhaber/in gegenüber für die fachlich einwandfreie Ausübung des Gewerbes und der Behörde gegenüber für die Einhaltung der gewerberechtlichen Vorschriften verantwortlich.

Der/die gewerberechtliche Geschäftsführer/in muss den für die Ausübung des Gewerbes vorgeschriebenen persönlichen Voraussetzungen entsprechen (also insbesondere auch einen erforderlichen Befähigungsnachweis erbringen) und (im Falle organisatorischer Geschäftsführerbestellung) sich im Betrieb entsprechend betätigen bzw dazu in der Lage sein (kein „Strohmann“)

Überlappungsthemen

Die „Besonderheiten von Landschaft, Flora und Fauna“ ist das bedeutendste derzeitige Überlappungsthema.

Allerdings ergeben sich bei näherer Betrachtung weitere Abgrenzungsprobleme wie z.B.:

  • Zoos und botanische Gärten (sind nach internationaler Definition Museen),
  • Freilichtmuseen,
  • forsthistorische Denkmale (z.B. können historische Straßen und Wege im Wald unter Denkmalschutz stehen),
  • technische Einbauten in Gewässern (z.B. Fischaufstiegshilfen usw.),
  • historische Gartenanlagen (stehen oft sowohl nach dem Denkmalschutzgesetz als auch nach dem Naturschutzrecht als geschützter Landschaftsteil unter Schutz),
  • Bodenformationen (z.B. können von Menschen errichtete Erdwälle unter Denkmalschutz stehen).

Das schwierigste Überlappungsthema ist sicherlich die Natur- und Kulturlandschaft bzw. das Thema „Siedlungsraum“. Hier ist in Österreich eine Unterscheidung bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Urwaldgebiete) kaum möglich. Gebiete, die historisch bedeutsam sind, sind oft gleichzeitig nach den Landesnaturschutzvorschriften geschützt (z.B. die Wachau).

Detaillierte Beratung und weitere Information

Sie können an Beratungsstellen, wie etwa das Gründerservice der WKO wenden. Beratung leisten auch die (rechtsberatenden) Berufe wie SteuerberaterInnen, NotarInnen & RechtsanwältInnen.


Literaturtipp: Einen kompakten Überblick zum Thema „Gründung“ bietet etwa auch der Leitfaden für Gründerinnen und Gründer der WKO.